In der guten alten Zeit, die Betagteren unter uns erinnern sich bestimmt, hatte das Wort "Reform" einen guten Klang.
Reform, das war Zukunft, Aufbruch, das Versprechen, das etwas besser wird, dass der einzelne Bürger darauf hoffen konnte, sein Leben würde sich positiv verändern, Reform wurde als "F-o-r-t-s-c-h-r-i-t-t" buchstabiert.
Und dann gab es noch, ganz verwegen, das Versprechen auf "Mehr Demokratie wagen". So war das damals.
Das sich das nicht immer so eingelöst hat, Schwamm drüber.
Und heute? Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir beim Wort "Reform" unwillkürlich zusammenzucken.
Reform, dass verbinden wir mit Verzicht, Gürtel enger schnallen, Einsparung, weniger Geld haben, weniger vom Staat erwarten.
Reform hat keinen guten Geschmack mehr, heute buchstabieren nicht nur unsere Kinder das Wort "Reform" als "S-t-r-e-i-c-h-u-n-g".
Aktuellstes Beispiel ist das sogenannte PNOG (Pflegeneuordnungsgesetz), dass unbestreitbar zu einer Verschlechterung führen wird (wir haben hier und hier bereits darüber berichtet). Oder die Neuregelung des Wohngeldes, die für viele gering verdienende Menschen zu einem existenziellen Problem wird (Stellungnahme des AWO Bundesverbandes)
Nichts gegen Veränderung, hier wird nicht einem Status Quo oder einer -was auch immer das für den einzelnen bedeutet- Besitzstandswahrung das Wort geredet.
Es gilt immer noch das in einem ganz anderen Zusammenhang gefallene Zitat "Es muss sich alles ändern, damit alles so bleibt, wie es ist" (1).
Aber wo ist die Vision für die Zukunft, die Erzählung, dass es trotz Verunsicherungen, Mühen und Anstrengungen eine attraktive und lebenswerte Zukunft gibt? Wo ist der Plan der politischen Entscheidungsträger, der über das bloße Verwalten des Bestehenden hinausgeht? Der ohne Missgunst schüren, Ausgrenzen, Verunglimpfen und Nach-unten-Treten auskommt?
Der Duden schreibt zum Begriff "Reform" übrigens: planmäßige Neuordnung, Umgestaltung, Verbesserung des Bestehenden.
Entscheiden Sie selbst.
Frustriert und "Protest"wähler sein, lamentieren oder sich engagieren. Zum Beispiel Ihren Abgeordneten ansprechen oder anderweitig aktiv werden.
Das geht auch in der AWO. Schauen Sie hier (https://www.awo-lippe.de/ehrenamt/ehrenamt/).
(1) Ausspruch des Tancredi aus dem Roman „Der Leopard“ von Giuseppe Tomasi di Lampedusa. Lesenswert.
